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Die Entstehung astrologischer Gedanken

       

Der Mensch der Antike suchte Erklärungen für sich und seine Umgebung. Durch die Beobachtung der Sonne, sowie der Sterne und des Mondes am Nachthimmel, konnte er sich orientieren, vor allem im Bezug auf die laufende Zeit. Verschiedene Rhythmen wurden ihm dabei bewusst. Vom Einfachsten, dem Rhythmus von Tag und Nacht ausgehend, konnte er bald den Umlauf des Mondes beobachten und berechnen. Nach dem Mondrhythmus wurden die ersten Kalender erstellt. Das heisst, die Wiederkehr der Jahreszeiten wurde berechenbar. Diese Beobachtungen liessen es auch bald zu, das Ansteigen der Sonne im Frühjahr und deren Abstieg nach der Sommersonnwende zu berechnen. Die Zeiten der Tag- und Nachtgleichen wurden schon sehr früh von Menschen errechnet und festgelegt. Als Beispiel dazu soll hier nur die Ausrichtung der Pyramiden in Ägypten, oder das Heiligtum von Stonehenge, das zwischen der späten Jungsteinzeit und der älteren Bronzezeit entstand, erwähnt werden.

       

Durch weitere Betrachtung des Sternhimmels erkannte man den Unterschied zwischen Sternen, die über das ganze Jahr am selben Ort zu stehen schienen, und anderen, die sich im Lauf eines Jahres in ihrer Position veränderten. Diese bezeichnete man als Planeten, was Wandelsterne bedeutet. Auch hier, bei den Planeten wurden schon sehr früh sehr genaue Umlaufperioden beobachtet. Vieles wurde berechenbar, und vorhersagbar, durch die Beobachtungen der damaligen Sternengelehrten. Prognosen waren in vieler Hinsicht wichtig. Der Mensch dieser Zeit erlebte sich viel mehr von der Gewalt der Natur beherrscht als der Heutige. Kein Wunder, dass diese Gelehrten angesehene Leute, und ihre Position in der Gesellschaft schon sehr früh eine Ausserordentliche war.
Der Mensch der Antike dürfte seinem Ursprung und seinem Instinkt noch viel näher gewesen sein. Er hat mit Sicherheit sein Selbst als etwas viel Selbst- Verständlicheres, und Anteile seiner Persönlichkeit mehr aus dem Zusammenhang, als Teil des Kollektiven erfahren. Diesen Schluss müssen wir aus dem reichen Schatz an Mythen und Götterbildern ziehen, die in früherer Zeit das Leben prägten. Anteile der Person wurden nach aussen projiziert als Götterbilder.
 

   

So entstanden Gottheiten in weiblicher, wie in männlicher Gestalt, die anzurufen notwendig wurde, sobald man sich mit einem Wunsch an die Allmacht der Natur wandte. Diese Götter erhielten Namen, Synonyme für den Inhalt, den sie vertraten. So gab es einen Gott für die kriegerischen Handlungen, wie eine Göttin für die Fruchtbarkeit der Erde usw. Viele Bilder wurden in diese Gottpersonen gelegt und so entstanden für alle Anliegen Götter, die anrufbar waren bei Missgeschicken oder Unternehmungen. Durch die Anrufung des entsprechenden Gottes wurden wahrscheinlich die eigenen Kräfte in diesem Bereich mobilisiert und der Erfolg trat ein. Diese Götter wurden als die Herrscher des Kosmos erlebt, und folglich auch in diesen projiziert.
Die Sonne als Spenderin des Lebens war in den meisten Kulturen die oberste Gottheit, denn Sie regierte den Kosmos. Ihr tägliches Erscheinen über dem Horizont war Voraussetzung für die Existenz. In den Jahreszeiten, in denen sie nicht so hoch aufstieg, war es kalt und lebensfeindlich. Der Mond als Regent der Nacht vertrat den Gegenpol zu dieser lebensspendenden Kraft. Er dominierte in den Perioden der Ruhe und des Schlafes. Stand er am Himmel war die Zeit, sich in die Welt der Träume und des Loslassens vom bewusst gelebten Tag zu begeben
 

So benannte man die Gestirne nach den Göttern. Diese wiederum waren nach aussen projizierte Anteile der inneren Persönlichkeit. Dabei berücksichtigten die Alten Besonderheiten in der Erscheinung der Himmelskörper, wie beispielsweise ihre Position, die Geschwindigkeit, die Grösse und die sichtbaren Farben. Das vorherrschende analoge, oder auch vergleichende Denken, sah Verbindungen auf anderen, als den uns heute geläufigen Ebenen. Die Annäherung an das archetypische Bild der Gottheit kam also nicht durch denkendes Verbinden, sondern durch erlebte Ähnlichkeit zustande.
Der darauf folgende Schritt dürfte wohl die Erfahrung mit den so benannten Götterplaneten gewesen sein. Diese Erfahrungen entstanden im Vergleichen der Position mit der ihr zugeschriebenen Qualität. So wurden bald nicht nur Sonne und Mond als Hilfsmittel zur Prognose verwendet, sondern auch die Planeten. In Verbindung mit religiösen Kulten war eine Kosmo-Psychologie entstanden, die in ihrer frühen Zeit jedoch nur kollektive Anwendung fand. Das Individuum spielte in diesem Abschnitt der Menschengeschichte auch nicht dieselbe Rolle wie heute. Könige, Pharaonen und Gottkaiser waren die Herren über das Schicksal des Volkes. Astrologie wurde für sie, und damit für ihr Volk betrieben. Erst in hellenistischer Zeit breitet sich individuelle astrologische Deutung aus.