Symbolik |
|||
| Abgeleitet vom griechischen Wort "symballein", was so viel wie zusammenwerfen heisst, beschreibt das Wort "Symbol" einen komplexen Bereich. In der griechischen Antike brachen Freunde, die verschiedener Wege gingen, einen Gegenstand. Jeder erhielt eines der Bruchstücke, und war durch diesen Teil mit dem Ganzen verbunden. Traf man sich wieder, legte jeder seinen Teil an die anderen, und stellte damit die Einheit wieder her. Wir müssen differenzieren zwischen verschiedenen Arten von Symbolen. Drei Hauptunterteilungen machen die Unterschiede deutlich. | |||
| 1. Das Ursymbol 2. Das entwickelte Symbol 3. Das geformte Symbol |
|||
| Unter Ursymbol verstehen wir die archetypischen Bildkräfte, die vom Beginn der Menschheit an wirken, sich jedoch nach kulturellem Stand der Gesellschaft und durch individuelle Prägung, verschiedenartig äussern können. Diese Inhalte sind das Bindeglied zu unseren Anfängen, sie bewahren den gesamten Prozess der Evolution in uns. Sie sind Bilder die sich im Religionen, Mythen und Märchen äussern, und entziehen sich der rationalen Erklärbarkeit und Begrifflichkeit. Äusserungen dieser Inhalte sind Träume und auch transzendente Erlebnisse und Erfahrungen. Da diese Bilder sich einer Erklärung entziehen, sind wir geneigt sie als Unfug abzutun, werden jedoch oft im Leben mit ihrem Inhalt konfrontiert. Diese Bilder sind für den Menschen unentbehrlicher Bestandteil seines Lebens. Werden sie verdrängt, bilden sie sich in unserer Aussenwelt aus, und begegnen uns schicksalhaft. |
![]() |
||
![]() |
Im entwickelten Symbol steht uns eine menschlich kultivierte Form der Ursymbole zur Verfügung. Auf Grund der Erfahrungen der Menschheit wissen wir, dass bestimmte Inhalte uns mit Urerfahrungen in Berührung bringen. Dies ist vor allem die Ebene der Religionen und aller Mystik, hier hat der Mensch in seiner Geschichte gelernt, sich über Bilder mit seinem Ursprung in Verbindung zu bringen. Meditative Vertiefung in diese Symbole ermöglicht die religiöse Erfahrung. Unter religiöser Erfahrung ist hier die Religio, die Rückbindung an den eigenen Ursprung zu verstehen, keine konfessionelle Einsicht. Auf dieser Ebene des Symbols finden wir auch die Astrologie wieder. Sie beschäftigt sich mit ausgeprägten symbolischen Bildern, die den Zugang zum eigenen Ursprung erleichtern. | ||
| Ich lege Wert darauf, an dieser Stelle zu bemerken, dass Astrologie nicht als Religion oder Heilslehre aufzufassen ist. Viel eher ist sie zu vergleichen mit Systemen wie z.B. dem Yoga, als Hilfsmittel einer Erfahrung. Astrologie kann und will nicht Religion sein oder sie ersetzen, sie ist ein Handwerkszeug. | |||
| Die dritte Stufe, das geformte Symbol umfasst heute einen grossen Teil unseres Alltags. Bilder, bewusst überlegt und ausgeprägt, werden Stellvertreter für einen Inhalt. Wir begegnen den geformten Symbolen in unserer Schrift, Buchstaben sind willkürlich gewählte Zeichen für einen zu sprechenden Laut. Auch Verkehrszeichen sind geformte Symbole. Heute sind wir dabei anstatt der Schrift viele Dinge in Piktogrammen auszudrücken. Piktogramme sind gemalte Symbole mit eindeutigem Inhalt. (z.B. der Totenkopf auf der Giftflasche) | |||
| Natürlich kann hier nicht die gesamte Symbolik
dargestellt werden, wichtig ist nur die Unterscheidung der verschiedenen
Ebenen eines symbolischen Inhalts. Symbole, die uns im Alltag begegnen sind
oft Mischungen dieser Unterteilung. Wie bereits oben beschrieben, stehen in der Astrologie die Planetensymbole für Anteile der Persönlichkeit. Der Tierkreis beinhaltet zwölf archetypische Bilder, die den Versuch darstellen, die Ganzheit aller Erscheinungen in zwölf Einzelbildern auszudrücken. Diese Einzelbilder sind Unterteilungen der Erscheinungen, die wir in der Natur des Jahresrhythmus wieder finden können. |
|||
| Symbolisch vertritt der Tierkreis eine
Qualität, die aus den beiden Faktoren Raum (= unsere Erde) und Zeit (=
Fortschritt der Erde auf ihrer Umlaufbahn) entsteht. Der Raum entsteht
durch die Position die das Individuum einnimmt. Von diesem Ort aus tut sich
der Raum auf. Ist Raum so definiert, erscheint es logisch, dass erlebbarer
Raum für den Menschen vom Blickwinkel Erde aus entsteht. Die Zeit, als
Dimension im Raum, entsteht aus der Bewegung der Erde um die Sonne, denn
nur diese Bewegung lässt uns, vor dem übrigen Hintergrund, vergehende Zeit
erleben. Durch die gegenseitige Bedingtheit von Raum und Zeit ergibt sich
die Möglichkeit zur Entwicklung. Anders ausgedrückt heisst das; wenn der
Raum das Statische ist, ermöglicht die Zeit die Entwicklung des Raumes.
Würde die Erde an einem Punkt im Sonnensystem feststehen, entstünde keine
Zeit, und damit auch keine Entwicklung. Der astrologische Tierkreis beschreibt diese Entwicklung, indem er den Jahresrhythmus als Ausgangsbasis nimmt, und ihn in symbolischen Bildern darstellt. In der Kombination mit den Planetensymbolen entsteht dann ein Bild der individuellen Struktur, deren Inhalt sich auf die Qualität von Zeit und Raum bezieht. Diese Individualität beginnt mit der Aufnahme eigenständiger Existenz, also dem Übergang zu selbstversorgendem und selbständig funktionierendem Leben. Dieser Augenblick ist Basis horoskopischer Betrachtung, denn "Horoskopieren" heisst "in die Stunde" schauen. Betrachten wir das Horoskop, so blicken wir auf eine Grundstruktur, welche die Basis bildet für die möglichen Entwicklungen der Persönlichkeit. |
|||
| Die Konsequenz aus dem Gesagten lässt erahnen, dass auch astrologische Aussagen immer einen direkten Bezug zu demjenigen darstellen, der sie tätigt. Das heisst, dass jeder Astrologe auf der Basis seines eigenen Horoskops interpretieren wird. Es scheint mir wichtig, diese Tatsache zu erwähnen, damit die Grenzen der Gültigkeit einer astrologischen Aussage bewusst werden. | |||